Von der Kirche zum Wohnhaus

Eine ehemalige neuapostolische Kirche wurde mit ökologischen Baustoffen gekonnt umgebaut. Mit Kalkschlämme, Ölfarbe, sparsam behandelten Vollhölzern und einer Dämmung aus dem nachwachsenden Rohstoff Holz entstand so ein gesundes wie ästhetisches Wohnhaus.

Christoph Manderscheid von Manderscheid Architekten hat viele Altbauten saniert und Denkmale wieder fit gemacht. Dabei hat er auch historische Materialien, ihre Robustheit und Schönheit der Patina kennengelernt. Gerne verwendet er deshalb Kalk. Auch Ölfarbe und Vollholz setzte er dort ein. Solche ökologischen Baustoffe enthalten keine Schadstoffe. Sie können in einer Kreislaufwirtschaft produziert werden und benötigen wenig Energie bei Herstellung, Nutzung und Rückbau. Prinzipiell ist das Weiterbauen die beste Art und Weise, Ressourcen zu schonen, wie es die Kommission Nachhaltiges Bauen am Umweltbundesamt in Ihrer Ende 2018 erschienenen Publikation zu Materialkreisläufen im Bauwesen fordert.

Dämmung mit Holz
Die Neuapostolische Kirche im Stadtteil Altenburg war 1961 erbaut worden. 1974 wurde sie mit einem flachen Anbau deutlich erweitert. Anfang 2015 fand dort der letzte Gottesdienst statt. Wichtigstes Nachhaltigkeitsziel von Manderscheid Architekten war die Umnutzung der guten Substanz. Im Souterrain schafften sie Raum für eine 55 Quadratmeter große Einliegerwohnung. Die Hauptwohnung ist 165 Quadratmeter groß. Heute umfasst den quadratischen Baukörper mit dem metallisch glänzenden Zeltdach und den bungalowartigen Vorbau eine hölzerne Fassade, die der neue Eingang, ein Kubus aus Cortenstahl, durchstößt. Die Holzfassade schützt die Dämmung aus Holzweichfaser und Zellulose. Die Außenwände des Souterrains erhielten zusätzlich eine mineralische Innendämmung.

Wichtigstes Ziel der Umnutzung war, unter dem zehn Meter hohen Zeltdach einen Wohnraum zu schaffen, der vielfältige Verbindungen nach außen hat. Im Westen liegt eine große überdachte Terrasse, im Osten eine kleine. Das Dach erhielt einen großen Einschnitt nach Süden und schmale Schlitze in den drei übrigen Dachflächen. Hinter dem großen Einschnitt liegt ein weiterer Freisitz, der über das große Regal hinweg erreicht wird. Über diesen Weg gelangt man auch zum Arbeitsplatz über die an die Ostfassade gestellte Küchenbox. So ist die Höhe unter dem Zeltdach erlebbar und der Wohnraum repräsentativ.

Die Westfassade nach ihrer Erbauung 1961. 

Vor dem Umbau war der Innenraum der Kirche trist und wenig ansprechend.

Fotos: Johannes Maria Schlorke


Robuste Kalkschlämme

Die gemauerten Wände sind mit einem roséfarbenen Kalkputz geschlämmt, wodurch die Struktur des alten Mauerwerks spürbar bleibt. Die Kalkschlämme fasst die vorher uneinheitlichen Flächen zusammen, sodass der Gesamteindruck großzügig und edel ist. Auch ist solch eine durchgefärbte Oberfläche robust. Kleine Macken fallen weit weniger auf. Kalkputz ist mir auch innen sehr sympathisch, bauphysikalisch, optisch, raumklimatisch und von der Verarbeitung her. Die warmen Töne der Schlämme bilden abwechslungsreiche Oberflächen in lichtem Ziegelrot und wirken in ihrer Lebendigkeit wohnlich. In den privaten Zimmern ist die Schlämme mit einer Kalkfarbe weiß gestrichen. Für die Untersicht des Zeltdachs ist die Schlämme mit schwarzem Eisenoxid noch etwas ins Graue gebrochen. Auch hier wirkt der wolkige, handwerkliche Auftrag angenehm leicht.
Giuseppe Lazzara verarbeitete die Schlämme. Dazu trug er zuerst eine Haftspachtelung auf Ziegelmauerwerk, Beton und Kalksandstein auf. Dann egalisierte er den Untergrund, wo nötig, mit einem Kalkputz. Lazzara armierten das Zeltdach im Wohnraum und die Decken mit einem Glasfasergewebe. Auf Kalkputz und Armierung spritzte er die Schlämme mit einer Mischpumpe auf. Herausforderung dabei war, gleichmäßig aufzutragen und die richtige Zeit zu erkennen, bei der die Schlämme sich so verbürsten lässt, dass Arbeitsspuren sichtbar bleiben. Mit dem Quast verstrich Lazzara den Kalkmörtel in einem leichten Kreuzschlag. Dazu musste er schon leicht angesteift sein. Auf die Wände, die später ungestrichen bleiben sollten, trug er vor dem Estrich nur die ersten 25 cm auf, danach folgte der Rest der Wand. Die profilfreien Ecken rundete er minimal frei Hand, was den handwerklichen Charakter verstärkt.

Fotos: Johannes Maria Schlorke

Pointierte Farbgestaltung

Insgesamt ist die Farbgestaltung zurückhaltend. Zu den lichten Tönen der Schlämme und dem hellen Holz der Einbaumöbel sind die Bäder und die Küche farbig akzentuiert.

Im Wohnraum sind Elemente, die statisch und konstruktiv von Bedeutung sind, in einem dunklen Rotton hervorgehoben. Ein „Englisch Rot“ aus mineralischen Pigmenten betont die Fensterrahmen die Innenkonstruktion des Dacheinschnitts und die bis auf den Boden durchgeführten Binder des Dachs. Diese sind ausschließlich mit Ölfarbe gestrichen. Die Rahmen sind ohne Radien mit nur ganz leicht gebrochenen Kanten gebaut. Früher gab es nur Profile ohne Radien, das funktioniert auch nur mit Ölfarbe und nicht mit modernen, schichtbildenden Farben. Die neugebauten Rahmen wurden mit die Halböl-Grundierung mit dem Pinsel gestrichen. Nach ein bis zwei Tagen Trocknung folgte der Zwischen- und den Schlussanstrich mit einer pigmentierten, halbfetten Standölfarbe. So erhielten die Rahmen eine seidenmatte Oberfläche in dem satten Rotton. Es wurde auf spezielle Ölfarbe gesetzt, da grundsätzlich jeder Lack zu dampfdicht ist. Man kann nicht verhindern, dass irgendwann Feuchtigkeit hinter den Lack kommt. Dort schädigt sie das Holz. Die Binder und die übrige Konstruktion erhielten den gleichen Farbauftrag.

Unbehandeltes Vollholz

Wo die Vollhölzer nicht beansprucht werden, werden sie auch nicht geschützt. Die Materialien sind bewusst einfach und direkt eingesetzt. Einbauten und Türblätter innen bestehen aus unbehandelten Fichte/Tanne-Dreischichtplatten. Ihre Oberfläche ist nur geschliffen, die Kanten leicht gebrochen. Die Küche aus Vollholz ist wie ein Möbelstück eingestellt, mit Arbeitsflächen aus Beton und farbig gestrichenen Fronten. Auch hier sind fast alle übrigen Holzoberflächen nur geschliffen. Ausschließlich die strapazierten Sockelzonen zum Boden und zu den Arbeitsflächen sind geölt. Auf diese Weise wurde auch das große Regal im Wohnraum und die Einbauten in den Schlafzimmern behandelt.

Fotos: Johannes Maria Schlorke

Roher Zementestrich

Wunsch des Bauherren war ein geglätteter, nicht weiter behandelter Zementestrich als Fußboden. Dieser wirkt gewollt unfertig und lebendig. Der Bauherr kennt eine solche Ausführung und weiß, wie sie sich mit der Nutzung verändert und Spuren zeigt. Nur in den Schlaf- und Kinderzimmern ließ er Industrieparkett legen und ölen.

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