Dauerhafter Schutz - Permanente Anti-Graffiti-Systeme

Einen universellen Schutz gegen Graffiti und ein Allheilmittel bei der Graffiti-Entfernung gibt es nicht. Stattdessen muss der Schutzanstrich exakt auf den zu beschichtenden Untergrund abgestimmt sein und der richtige Reiniger gefunden werden. Lesen Sie in einer zweiteiligen Serie, wie man das passende Produkt auswählt und was bei der Anwendung zu beachten ist. Im ersten Teil werden die Schutzanstriche und Imprägnierungen vorgestellt.

Wer glaubt, es gebe den einen Graffiti-Schutzanstrich, der irrt gewaltig. Genauso vielfältig wie die Untergründe sind auch die entsprechenden Schutzbeschichtungen.

An dieser grau beschichteten Betonwand wurden zwei Testflächen mit Anti-Graffiti-Schutzlacken angelegt. Die eine lässt sich auf Anhieb ausfindig machen. Sie tritt durch einen glänzenden Film deutlich hervor. Die andere dagegen offenbart sich erst bei genauerem Hinsehen. Denn ihre matte Oberfläche lässt die darunter befindliche Betonbeschichtung fast unverändert aussehen.

Foto: Scheidel


Schutzlacke

Bei beiden Produkten handelt es sich um zweikomponentige, permanente Schutzlacke. Permanente, also dauerhafte Anti-Graffiti-Systeme können mehrmals gereinigt werden, ohne dass der Schutz erneuert werden muss. Lösliche Untergründe, wie Fassaden mit Dispersions- oder Siliconharzfarben oder lackierte Flächen können effektiv und nachhaltig nur mit chemisch stabilen Schutzlacken vor Sprühattacken geschützt werden. Ein Durchschlagen der Sprühlacke könne durch sie vollständig ausgeschlossen werden, weshalb die darunterliegende Farb- bzw. Lackschicht unbeschädigt bleibe. Deshalb hat man auf z.B. bereits gestrichenen Beton nur die Wahl zwischen den beiden Schutzlacken – anders als auf unbeschichtetem Beton. Hier empfiehlt sich unbedingt den Einsatz einer Schutz-Imprägnierung (zu diesen Systemen später mehr).

 

Bei dem matten Schutzlack handelt es sich um ein wässriges Produkt auf Polyurethan-Basis mit Silan, das auf allen beschichteten Flächen eingesetzt werden kann. Neben Dispersions-, Siliconharz-und Silikatfarben eignen sich zur Überarbeitung auch WDVS, Kunstharzputze, Pulverbeschichtungen, lackierte Holzflächen und – wie hier – gestrichener Beton. Wichtig ist, dass der Schutzlack „HydroPur Silan“ so gut wie keinen Einfluss auf den Gesamtaufbau eines Wärmedämm-Verbundsystems hat und dessen Eigenschaften (wie etwa die Diffusionsfähigkeit) nicht negativ beeinflusst. Der Lack weist einen sd-Wert von 0,46 Metern auf und liegt damit im Diffusionsbereich einer Dispersionsfarbe. Die empfohlene Schichtstärke von 0,1 Millimetern unterscheidet sich ebenfalls unwesentlich von der einer Dispersionsfarbe.

 

Auch der glänzende Schutzlack verfügt über einen sd-Wert von unter 0,5 Metern. Das überrascht durchaus positiv, denn bei dem glänzenden Lack auf Epoxy-Basis handelt es sich um ein sogenanntes Ultra-High-Solid-Produkt. Bei der Verarbeitung bringt das glänzende Produkt einen klaren Vorteil gegenüber dem matten Schutzlack, der in zwei Arbeitsgängen appliziert werden muss, mit sich: Der Epoxy-Lack muss nur einmal gerollt werden, was die Arbeitskosten erheblich verringert. Hinsichtlich der Optik müssen bei diesem Produkt jedoch Abstriche gemacht werden. Aufgrund seines Glanzes verändert es die Optik des Untergrundes nämlich deutlich, während das matte HydroPur Silan die Optik so gut wie nicht beeinflusst. Wenn die Optik an einem Objekt nicht im Vordergrund steht, ist das leicht glänzende Produkt eine gute Wahl. Wo der Glanz als störend empfunden wird, sollte man besser zum matten Produkt greifen. Der glänzende Schutzlack eignet sich beispielsweise ideal für Unterführungen oder als Schutzbeschichtung für (Fahrkarten-) Automaten.

Schön für Hanna, der dieser Liebesbeweis an einem Brückenpfeiler in Bamberg

gefallen mag. Weniger schön für die Allgemeinheit, weshalb Bauwerke häufig durch Schutzanstriche vor Graffiti geschützt werden sollen.

Foto: Scheidel

Derselbe Brückenpfeiler, auf dem vor kurzem noch „Hanna ich liebe dich“ zu lesen war, nach der Graffiti-Enfernung und einer Anti-Graffiti-Imprägnierung, die die Entfernung neuer Sprayer-Attacken erleichtern soll.

Foto: Scheidel


Imprägnierungen

Die Pfeiler diese Brücke aus Sandstein wurden bereits vor einigen Jahren von ihren „Verzierungen“ befreit und anschließend mit einer Schutzimprägnierung versehen. Die neuen Graffiti sind nun also einfacher zu beseitigen.

Zum Einsatz auf den Brückenpfeilern kam eine Fluoromer Graffiti-Imprägnierung von Scheidel. Diese ist hoch wasserdampfdiffusionsoffen und weißt einen sd-Werte von etwa 0,02 Metern auf. Sie ist farblos, nicht farbtonintensivierend und tritt daher optisch kaum in Erscheinung. 

 

Die meisten Graffiti-Schutz-Imprägnierungen sind auf wässriger Basis mit C6-Fluor-Polymer-Technologien und nicht filmbildend. Diese Formulierung ergibt chemisch stabile und hoch mit dem mineralischen Bausubstrat vernetzende, hauchdünne Trennschichten. Ähnlich wie bei einer imprägnierten Regenjacke wird durch die Produktzusammensetzung die Oberflächenenergie erhöht und eine Anti-Haft-Wirkung erzielt, welche die einfache Graffiti-Entfernung ermöglicht. Beispielsweise die Imprägnierung „Fluorosil Classic“, kommt auf einfachem (ungestrichenem) Sichtbeton und anderen saugfähigen mineralischen Untergründen, wie etwa Klinker, zum Einsatz. Das weiterentwickelte „Fluorosil Premium“ ist dann das Mittel der Wahl, wenn hochwertiger Glattbeton geschützt werden soll oder wenn nichtlösliche, mineralisch gestrichene Flächen (Silikatfarben und Betonlasuren) geschützt werden sollen.

 

Beide Fluorosil-Imprägnierungen sind als permanente Trennschichtbildner nach RAL zertifiziert. Von permanenten Anti-Graffiti-Produkten kann dann gesprochen werden, wenn Graffiti ohne Erneuerung der Trennschicht 10 bis 15 mal auf der Schutzbeschichtung entfernt werden können. Auf unlöslichen Farbanstrichen sind so viele Entfernungszyklen jedoch nicht zu erzielen. Die Permanenteigenschaften sind hier eingeschränkt, weil der Untergrund bzw. der Farbaufbau der Belastung nicht standhalten kann. Die Permanenteigenschaften gemäß RAL werden lediglich auf Beton erzielt.

 

„Fluoromer“ schließlich wurde speziell für die Anwendung auf Sandstein und weichen Untergründen konzipiert. Diese Imprägnierung ist „semi-(also halb-)permanent“ und muss nach jeder Graffiti-Entfernung mit geringem Materialverbrauch nachimprägniert werden.

Hydrophobierung plus Graffiti-Schutz

Immer dann, wenn Betonbauwerke und andere mineralische Oberflächen nicht nur vor Graffiti geschützt werden müssen, sondern auch deren Standfestigkeit gewährleistet sein muss – beispielsweise bei Brücken und andern Ingenieurbauten oder Betonfertigteilen – bietet sich die Hydrophobierung als Graffitischutz an. Auch Klinker oder Kalksandstein werden durch Hydrophobierungen vor eindringendem Wasser geschützt. Hydrophobierungen reduzieren die Aufnahme von Wasser und damit von gelösten Schadstoffen, wie etwa schädigenden Salzen, und schützen somit den Stahl im Beton vor Korrosion und folglich vor Instabilität. 

Sorgfalt bei Planung und Ausführung

Graffiti-Schutz ist zwar definitiv eine Wissenschaft für sich – ein Buch mit sieben Siegeln ist er aber nicht. Man muss sich die Gegebenheiten sehr genau anschauen und dann das entsprechende Schutzmittel auswählen. Und vor allem muss man sich strikt an die Verarbeitungsrichtlinien halten, um den gewünschten optischen und technischen Effekt zu erzielen. Es empfiehlt sich also sich auf jeden Fall an einen Fachbetrieb zu wenden um der Graffiti Problematik dauerhaft Herr zu werden.

 

 

Alles über die Graffiti-Entfernung lesen Sie im nächsten Beitrag


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